Influencer-Marketing-Trends im DACH-Raum

Welche Entwicklungen den deutschsprachigen Creator-Markt gerade prägen, laufend aktualisiert auf Basis von Nindo-Daten.

Fünf Verschiebungen prägen den Markt gerade: Kurzvideos erreichen auch Menschen außerhalb der Followerschaft, Kooperationen laufen länger, Creator bauen sich Kanäle abseits der Feed-Algorithmen auf, KI verändert Recherche und Produktion, und mit TikTok Shop wird aus Reichweite direkt messbarer Umsatz.

Für diese Einordnung werten wir bei Nindo seit mehreren Jahren Kanal- und Content-Daten aus Instagram, TikTok, YouTube und Twitch aus. Zahlen anderer Plattformen oder Marktforschungsunternehmen sind entsprechend gekennzeichnet.

Es geht hier um Markt-Entwicklungen. Bei einzelnen Content-Formaten zählt dagegen, wie Trends auf Social Media entstehen und woran du ihr Wachstum früh erkennst.

Datenstand ist die zweite Jahreshälfte 2026.

Kurzvideos erreichen auch Nicht-Follower

Die Reichweiten-Mechanik hat sich an einer Stelle grundlegend geändert: For-You-Feeds spielen Inhalte nach Zuschauerverhalten aus, nicht nach Follower-Zahl. TikTok hat damit angefangen, Instagram Reels und YouTube Shorts funktionieren heute nach derselben Logik.

Für Marken hat das zwei Konsequenzen. Erstens erreichen auch kleine Kanäle mit einem einzelnen Kurzvideo sechs- oder siebenstellige Views. Die Follower-Zahl taugt damit noch weniger als Auswahlkriterium.

Zweitens schwankt die Reichweite von Post zu Post stärker als in der Zeit, in der Abos den Feed bestimmten. Miss einen Kanal deshalb an seiner Basis-Performance und nicht an seinem besten Video.

Wie groß die Spitze dabei ausfällt, zeigen unsere aktuellen Charts der meistgesehenen deutschsprachigen TikTok-Videos:

Auf YouTube läuft dieselbe Verschiebung über Shorts. Für Kampagnen auf YouTube ergibt sich daraus eine Arbeitsteilung: Shorts machen eine Marke sichtbar, Kaufentscheidungen entstehen weiter in Longform-Videos.

Kooperationen werden länger

Der einzelne bezahlte Post war lange der Standard-Deal: ein Briefing, ein Beitrag, eine Rechnung. In unseren Kooperationsdaten sehen wir immer häufiger etwas anderes: Marken, die denselben Creator über Monate hinweg wiederholt buchen.

Das hat einen einfachen Grund: Eine Empfehlung wirkt über Wiederholung. Taucht ein Produkt einmal im Feed auf, ist es Werbung. Taucht es über Monate immer wieder auf, wird es Teil dessen, wofür der Creator steht.

Dazu kommt Planbarkeit auf beiden Seiten. Creator können Konditionen anbieten, die es für einen Einzelpost nicht gibt, und die Marke spart sich für jede Kampagne eine neue Recherche.

Für die Auswahl heißt das: Die Kooperationshistorie eines Kanals ist ein eigenes Prüfkriterium geworden. Ein Creator, der im Monatstakt die beworbene Marke wechselt, baut für keine davon Glaubwürdigkeit auf. Einer, der Partnerschaften über lange Zeit hält, hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit ihm funktioniert.

Nindo erkennt Werbeposts automatisch und erstellt daraus für jeden Kanal eine Kooperationshistorie. Du siehst, welche Marken ein Creator beworben hat, wie lange die Partnerschaften liefen und ob es beim einmaligen Post blieb.

Dieselbe Ansicht gibt es aus Marken-Sicht. Damit siehst du, mit welchen Creatorn deine MitbewerberInnen arbeiten und wer noch für keinen davon wirbt.

Reichweite abseits der Feeds

Weil die Reichweite von Kurzvideos von Post zu Post stärker schwankt, bauen sich Creator parallel Kanäle auf, die kein Algorithmus filtert: WhatsApp-Kanäle und Instagram-Broadcasts, dazu Newsletter und Communities. Eine Nachricht dort erreicht alle AbonnentInnen und nicht den Anteil, den der Feed gerade zuteilt. Bei MontanaBlack liest so eine WhatsApp-Nachricht über 800.000 Menschen.

Für Creator ist das eine Absicherung gegen Reichweiten-Schwankungen. Für Marken ist es ein Werbeumfeld mit einer Eigenschaft, die der Feed nicht bietet: Die Menschen dort haben sich aktiv für den Creator entschieden, entsprechend höher ist die Aufmerksamkeit pro Nachricht. Schwierig bleibt die Bewertung von außen, weil die Plattformen kaum Kennzahlen öffentlich machen.

KI wird Alltagswerkzeug

KI steckt im Creator-Marketing inzwischen an zwei Stellen in der täglichen Arbeit. Auf der Produktionsseite nutzen Creator sie für Skripte, Schnitt, Übersetzungen und Voice-over, und die großen Plattformen verlangen für generierte Inhalte eine Kennzeichnung. Auf der Marketing-Seite verschiebt sich die Recherche weg von Hashtag-Suche und stundenlangem Scrollen, hin zu semantischer Suche und Briefings in normaler Sprache.

Der häufigste Fehler dabei: ein Sprachmodell ohne Datenanbindung als Recherche-Tool zu nutzen. ChatGPT liefert auf die Frage nach passenden Creatorn eine Liste, die plausibel aussieht und beim Nachprüfen zerfällt, mit erfundenen Accounts und veralteten Zahlen. Das liegt an der Bauart von Sprachmodellen, nicht an der Bedienung. Brauchbar wird KI im Influencer-Marketing erst als Interface über einer echten Datenbank.

Virtuelle Creator mit primär deutschsprachigem Publikum haben sich dagegen bislang nicht etabliert. Für den DACH-Markt bleibt KI damit ein Werkzeug im Workflow und keine eigene Creator-Kategorie.

Aus Reichweite wird Umsatz

Seit Ende März 2025 gibt es TikTok Shop in Deutschland: Gekauft wird direkt in der App, aus Videos, Livestreams und Creator-Profilen heraus. Nach TikTok-Angaben verkaufen dort inzwischen über 25.000 HändlerInnen, und die durchschnittlichen Tagesumsätze der VerkäuferInnen haben sich innerhalb von sechs Monaten nahezu verdoppelt. Mehr als 15 Prozent der vom Marktforschungsunternehmen NIQ erfassten Online-KäuferInnen in Deutschland haben seit dem Start mindestens einmal über TikTok Shop bestellt.

Seit dem 15. Juni 2026 ist TikTok Shop auch in Österreich verfügbar. In der Schweiz gibt es ihn bislang nicht.

Für Influencer-Marketing ändert das die Erfolgsmessung. Ein Creator-Post war bisher ein Reichweiten-Investment, dessen Umsatzwirkung nachträglich über Rabattcodes und UTM-Links zugeordnet wurde. Mit In-App-Käufen hängt die Verkaufszahl direkt am Video. Affiliate-Provisionen und Live-Shopping machen Creator zu einem Vertriebskanal mit eigener Umsatzspalte, und die Kampagnen-KPIs verschieben sich von Views in Richtung Conversion.

Das verschiebt auch die Creator-Auswahl. Für Shop-Formate zählt weniger, wie viele Menschen ein Video erreicht, und mehr, ob das Publikum dem Kaufurteil des Creators vertraut. Ein enger Themenfokus mit einem Publikum, das genau dafür folgt, ist dann die bessere Ausgangslage als maximale Reichweite bei gemischtem Publikum.

Tom Kühl

Tom Kühl

CTO

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