Die richtige Social-Media-Plattform für deine Creator-Kampagne

Instagram, TikTok, YouTube oder Twitch? Wie du die Plattform anhand von Zielgruppe, Format und Kampagnenziel auswählst.

Die Plattform steht in vielen Briefings fest, bevor die eigentlichen Fragen gestellt sind. Im Budgetplan heißt es „TikTok-Kampagne", weil der Wettbewerber gerade dort wirbt oder die letzte Kampagne dort lief. Ob die eigene Zielgruppe die App überhaupt nutzt und ob es in der Nische buchbare Creator gibt, prüft danach niemand mehr.

Erreicht die Plattform deine Zielgruppe?

Für den deutschsprachigen Raum liefert die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 die Basiszahlen. YouTube nutzen 46 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren mindestens einmal pro Woche, Instagram 40 Prozent, TikTok 20 Prozent.

Die 20 Prozent von TikTok verdecken allerdings die Altersstruktur. Von den 14- bis 29-Jährigen nutzt jede und jeder Zweite die Plattform regelmäßig, in den älteren Gruppen liegt die Nutzung entsprechend deutlich darunter. Für eine junge Zielgruppe führt kaum ein Weg an TikTok vorbei. Für ein Publikum jenseits der 40 ist Instagram mit seiner breiten Basis meist der sicherere Ausgangspunkt.

Diese Zahlen beantworten die Frage nur auf Plattform-Ebene. Gebucht wird aber kein Plattform-Durchschnitt, sondern ein einzelner Kanal. Prüfe deshalb zusätzlich, ob die Zielgruppe des konkreten Creators zu deiner Kampagne passt.

Passt die Plattform zum Ziel der Kampagne?

Die vier Plattformen unterscheiden sich vor allem in drei Eigenschaften, die in Briefings regelmäßig fehlen: wie lange ein Beitrag Reichweite sammelt, wohin ein Klick führen kann und wie viel Zeit ein Creator mit deinem Produkt verbringt.

Die Lebensdauer entscheidet, wie lange deine Platzierung arbeitet. Ein TikTok-Video oder ein Reel hat sein Publikum nach wenigen Tagen erreicht. Ein YouTube-Video sammelt über Suche und Empfehlungen oft noch Monate später Views, weshalb sich Influencer-Marketing auf YouTube für Inhalte mit langer Gültigkeit lohnt und die Kurzvideo-Feeds für die Sichtbarkeits-Spitze zum Launch.

Willst du Klicks messen, zählt die Klickstrecke. Auf YouTube liegt der Link dauerhaft klickbar in der Videobeschreibung.

Auf Instagram führt der Weg über den Link-Sticker in Stories, denn Feed-Posts und Reels verlinken nicht nach draußen. Auf TikTok bleibt im Wesentlichen der Link in der Bio. Je länger die Klickstrecke, desto wichtiger wird ein Rabattcode, den ZuschauerInnen sich merken können.

Bei Twitch bekommt ein Creator Stunden statt Sekunden Aufmerksamkeit. Ein Stream läuft live, der Chat fragt sofort nach, und ein Produkt kann ausführlich vorgeführt statt nur erwähnt werden. Für Games, Technik und alles, was von der Vorführung lebt, ist das die stärkste Umgebung.

Welche Größenordnung die Spitze der deutschsprachigen Streams erreicht, zeigen unsere Live-Charts:

Welche Kanalgröße funktioniert auf welcher Plattform?

Zur Plattform-Wahl gehört die Frage, mit welcher Kanalgröße du dort arbeitest. Die verbreitete Faustregel lautet: je kleiner der Kanal, desto höher das Engagement. Unsere Daten zeigen, dass sie nur auf einer Plattform gilt.

bis 10.000 Follower10.000 bis 100.000100.000 bis 500.000500.000 bis 1 Mio.1 bis 5 Mio.
Instagram Reels4,0 %1,9 %1,4 %1,2 %1,4 %
Instagram Feed-Posts1,4 %1,2 %0,8 %1,0 %1,2 %
TikTok Videos0,4 %1,1 %0,9 %1,1 %0,8 %
YouTube Videos0,4 %0,5 %0,4 %0,3 %0,2 %

Gerechnet ist die Engagement Rate als Likes plus Kommentare geteilt durch Follower, gemittelt über die jüngsten Beiträge je Kanal. Datenstand: Juli 2026, auf Basis einer Nindo-Stichprobe mit einigen Hundert bis mehreren Tausend Kanälen pro Zelle.

Auf Instagram stimmt die Faustregel. Reels von Kanälen unter 10.000 Followern erreichen im Schnitt 4,0 Prozent und damit fast das Dreifache großer Kanäle. Auffällig ist auch der Format-Abstand: Reels liegen in jeder Größenklasse über Feed-Posts.

Auf TikTok kippt das Muster. Die kleinsten Kanäle haben mit 0,4 Prozent die niedrigste Rate aller TikTok-Größenklassen. Der Grund ist der For-You-Feed, der Views weitgehend von der Follower-Zahl entkoppelt: Was ein Video erreicht, hängt dort mehr am einzelnen Video als an der Größe des Kanals.

Gemessen an den Views reagiert das Publikum der kleinsten TikTok-Kanäle dabei stärker als das aller anderen TikTok-Größenklassen. Die niedrige follower-bezogene Rate spricht also nicht gegen kleine TikTok-Kanäle. Sie zeigt nur, dass die Follower-Zahl dort die falsche Bezugsgröße ist.

Auf YouTube taugt die follower-bezogene Rate generell wenig für die Auswahl. Abonnements bleiben stehen, auch wenn niemand mehr einschaltet, und Views entstehen über Suche und Empfehlungen. Vergleiche YouTube-Kanäle deshalb über ihre durchschnittlichen Views pro Video.

Die wichtigste Konsequenz aus der Tabelle: Benchmarks gelten pro Plattform und Format. Eine Engagement Rate von 1 Prozent ist für das Reel eines kleinen Instagram-Kanals unterdurchschnittlich und für ein TikTok-Video derselben Größenklasse überdurchschnittlich. Wer alle KandidatInnen an derselben Schwelle misst, sortiert auf der einen Plattform zu streng aus und auf der anderen zu großzügig.

Gibt es dort die passenden Creator?

Eine Plattform kann demografisch passen und zum Kampagnenziel passen und trotzdem ausscheiden, weil es dort in deiner Nische kaum buchbare Creator gibt. Das steht in keiner Studie, es lässt sich nur am konkreten Angebot prüfen.

Von Hand heißt diese Prüfung: Hashtags durchsuchen, Profile einzeln öffnen, Kennzahlen abschätzen. Nach einem Nachmittag hast du eine Handvoll Namen, und zwar genau die Kanäle, die ohnehin jede Anfrage bekommen.

In der Nindo Discovery stellst du dieselbe Suche nacheinander auf jeder der vier Plattformen: nach Kategorie, Sprache und Kennzahlen, für Instagram, TikTok und YouTube auch nach Zielgruppenanteilen wie Alter und Geschlecht. So siehst du direkt, wie tief das Creator-Angebot deiner Nische auf jeder Plattform ist, bevor Budget verplant wird.

Die Ergebnisse beantworten auch die Anschlussfrage. Bei jedem Treffer siehst du, welche Kanäle wir auf den anderen Plattformen mit dem Creator verbinden. Ob die TikTok-Kandidatin auch auf YouTube stattfindet und wie ihre Zahlen dort aussehen, ist damit ein Klick statt einer neuen Recherche.

Erst eine Plattform, dann kombinieren

Aus den vier Fragen folgt selten „alle Plattformen gleichzeitig". Jede Plattform bringt eigene Formate und eigene Benchmarks mit, und wer das Budget auf alle verteilt, sammelt überall zu wenig Daten, um daraus für die nächste Kampagne zu lernen.

Kombinationen lohnen sich, wenn jede Plattform eine eigene Funktion übernimmt. Ein verbreitetes Muster: Kurzvideos auf TikTok oder in Reels machen die Marke sichtbar, in einem YouTube-Video lässt sich das Produkt ausführlich vorstellen, und ein Rabattcode misst die Ergebnisse beider Formate.

Steht die Plattform, beginnt die eigentliche Auswahl der Creator: von der ersten Longlist bis zur belastbaren Entscheidung.

Tom Kühl

Tom Kühl

CTO

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