Influencer-Marketing-KPIs: Welche Kennzahl zu welchem Kampagnenziel passt

Welche KPIs im Influencer Marketing zu welchem Kampagnenziel passen und wie du sie im Reporting belastbar einsetzt, statt Vanity-Metriken zu sammeln.

Das Ziel bestimmt die Kennzahl

Reichweite, Engagement Rate, Klicks, Umsatz: Aufzählen kann diese Kennzahlen jeder. Schwierig wird die Frage, an welcher davon deine Kampagne gemessen werden soll.

Die Antwort steckt im Kampagnenziel. Eine Metrik wird zum KPI, wenn sie genau das misst, was die Kampagne erreichen soll, und wenn vor dem Start ein Zielwert feststeht.

Dieselbe Reichweiten-Zahl ist deshalb in einer Brand-Awareness-Kampagne der zentrale KPI und in einer Conversion-Kampagne nur Kontext. Ob eine Zahl eine Vanity-Metrik ist, hängt also allein davon ab, ob sie mit deinem Kampagnenziel etwas zu tun hat.

KampagnenzielPrimäre KPIs
Brand AwarenessReichweite, Impressionen, Views, TKP
EngagementInteraction Rate, Engagement Rate, Kommentare
TrafficLink-Klicks, Klickrate
ConversionUmsatz, ROAS, Neukundenanteil

Der Zielwert gehört festgelegt, bevor der erste Beitrag live geht. Ohne ihn wird jeder Report zur nachträglichen Suche nach der Zahl, die am besten aussieht.

Mehr als zwei oder drei primäre KPIs braucht eine Kampagne selten. Alles Weitere ist Kontext im Report.

Brand Awareness: Reichweite, Impressionen, Views

Reichweite zählt erreichte Konten, Impressionen zählen Ausspielungen. Eine Person, die deinen Beitrag dreimal sieht, zählt als ein erreichtes Konto und drei Impressionen. Da jede Plattform Views anders definiert, sind sie ohne zusätzliche Einordnung nur eingeschränkt plattformübergreifend vergleichbar.

Die Follower-Zahl gehört nicht in diese Liste. Sie beschreibt das mögliche Publikum, nicht das erreichte: Die Konten, die ein einzelner Beitrag tatsächlich erreicht, liegen meist deutlich darunter.

Ob die eingekaufte Reichweite ihren Preis wert war, beantwortet der Tausend-Kontakt-Preis. Dafür teilst du die Kosten durch die erreichten Kontakte und multiplizierst das Ergebnis mit 1.000.

Engagement: Interaction Rate und Engagement Rate

Als Interaktionen zählen Likes und Kommentare. Die entscheidende Frage ist, worauf du sie beziehst, denn daraus entstehen zwei verschiedene Kennzahlen.

Die Interaction Rate bezieht die Interaktionen auf die Views eines Beitrags: Wie viele derer, die ihn gesehen haben, haben reagiert?

Interaction Rate=(Likes+Kommentare)Views×100

Die Engagement Rate bezieht dieselben Interaktionen auf die Follower-Zahl des Kanals. Sie misst, wie aktiv das Stammpublikum ist, unabhängig davon, wie weit ein Beitrag ausgespielt wurde.

Ein Beispiel: Ein Beitrag mit 4.200 Likes und 180 Kommentaren bei 90.000 Views kommt auf eine Interaction Rate von 4,87 %.

(4,200Likes+180Kommentare)90,000Views×100=5%

Auf die 250.000 Follower des Kanals gerechnet liegt die Engagement Rate desselben Beitrags bei 1,75 %.

Wie stark die Basis das Bild dreht, zeigen unsere Daten. Die Werte sind Mediane über alle aktiven Kanäle, pro Kanal gemittelt über die Beiträge der letzten 60 Tage (Datenstand: Juli 2026):

FormatInteraction Rate (auf Views)Engagement Rate (auf Follower)
Instagram Reel3,1 %2,0 %
Instagram Postnicht verfügbar1,7 %
TikTok7,1 %0,7 %
YouTube Video4,8 %0,3 %
YouTube Shorts2,7 %0,2 %

Auf Views gerechnet führt TikTok, auf Follower gerechnet Instagram. Wer eine „Engagement Rate" aus einem Mediakit oder einem anderen Tool vor sich hat, muss deshalb zuerst klären, welche Basis dahinterliegt. Viele Tools weisen nur eine einzige Rate aus, und was sie bedeutet, unterscheidet sich von Tool zu Tool. In Nindo siehst du deshalb beide Werte getrennt ausgewiesen.

Beim Bewerten eines einzelnen Kanals lohnt der Vergleich mit Kanälen ähnlicher Größe, weil kleine Konten strukturell höhere Raten erreichen als große.

Nicht jede Interaktion ist gleich viel wert. Zweihundert Flammen-Emojis unter einem Beitrag sind ein schwächeres Signal als zwanzig Kommentare mit echten Fragen zum Produkt. In Nindo musst du dafür nicht selbst die Kommentarspalte durchlesen: Ein eigenes Rating bewertet die Kommentar-Qualität eines Kanals.

Traffic: Klicks, die du selbst misst

Reichweite und Interaktionen liest du aus öffentlichen Zahlen und Plattform-Insights ab. Bei Klicks ändert sich die Lage: Wie oft der Link im Story-Sticker oder in der Bio angeklickt wurde, sieht nur der Creator in seinen Insights. Du bist auf Screenshots angewiesen, die du anfordern, prüfen und ablegen musst.

Die Alternative sind Links, die du selbst kontrollierst: UTM-Parameter oder Kurzlinks, pro Creator einzeln vergeben. Damit misst du Klicks in deiner eigenen Web-Analyse, unabhängig davon, was der Creator dir schickt, und siehst zusätzlich, was die BesucherInnen auf deiner Seite tun.

Als Verhältnis-Kennzahl taugt die Klickrate: Klicks geteilt durch Reichweite. Sie trennt Beiträge, die viel erreichen und wenig bewegen, von Beiträgen, deren kleineres Publikum tatsächlich klickt.

Conversion: Umsatz, ROAS, Neukundenanteil

Am Ende der Kette stehen die Kennzahlen, an denen Budgets verlängert oder gestrichen werden. Der ROAS (Return on Ad Spend) teilt den zugeordneten Umsatz durch die Kosten der Kampagne: Ein ROAS von 3 bedeutet drei Euro Umsatz pro eingesetztem Euro. Was ihn vom ROI unterscheidet und wann der Earned Media Value ins Bild gehört, klärt unser Beitrag zu ROI und Earned Media im Influencer Marketing.

Zuordnen lässt sich Umsatz im Influencer Marketing über zwei Wege: Rabattcodes und UTM-Links, jeweils pro Creator vergeben. Für die Interpretation zählt vor allem eins: Wer weder über einen getrackten Link kommt noch den Code eingibt, taucht in keiner Attribution auf. Die gemessenen Zahlen sind eher Untergrenze als Übertreibung.

Der Neukundenanteil ist die unterschätzte dritte Zahl. Ein Teil des zugeordneten Umsatzes wäre auch ohne Kampagne gekommen, weil BestandskundInnen den Rabattcode einfach mitnehmen. Für die Budget-Diskussion zählt der Anteil der KäuferInnen, die zum ersten Mal bestellen.

Ohne Vergleichswert ist jede Zahl gut

Ist eine Story-Reichweite von 40.000 gut? Die Frage ist unbeantwortbar, solange der Maßstab fehlt.

Der erste Maßstab ist der Kanal selbst: Wie schlägt sich der Kooperations-Beitrag gegen den Durchschnitt der letzten organischen Beiträge? Fällt er deutlich ab, hat das Publikum den Werbe-Content nicht angenommen.

Ehrlicher noch ist der Vergleich innerhalb der Kampagne. Mehrere Creator mit demselben Briefing, derselben Marke und demselben Zeitraum sind die sauberste Vergleichsgruppe, die du bekommen kannst.

Und über mehrere Kampagnen hinweg wird deine eigene Historie zum Maßstab: Was hat ein ähnliches Setup beim letzten Mal erreicht?

Alle drei Vergleiche setzen voraus, dass die Basis stimmt. Ein Kanal mit gekauften Followern oder Likes verzerrt jede Kennzahl, die auf ihm aufbaut.

Vom KPI-Set zum Report

In der Praxis scheitert das Reporting selten an den Definitionen. Es scheitert am Zusammentragen: Die Plattform-Zahlen liegen in fünf Tabs, die Klick-Screenshots der Creator tröpfeln per Mail ein, und der Report soll Freitag fertig sein.

Das Kampagnen-Tracking in Nindo erfasst Beiträge automatisch über Keywords und Mentions. Du siehst Reichweite, Views und Engagement Rate aller Creator in derselben Kampagnenansicht.

Den Zwischenstand teilst du per Gastlink. KundInnen oder Vorgesetzte sehen die aktuellen Kampagnenzahlen im Browser, ganz ohne eigenen Account. Den Abschlussreport exportierst du als Excel.

Wenn dein Shop auf Shopify läuft, ordnet Nindo Umsätze über Rabattcodes und UTM-Links den einzelnen Creatorn zu. So siehst du ROAS und Neukundenanteil pro Kampagne.

So bleibt vom Reporting der Teil übrig, den kein Tool übernehmen kann: das Urteil, ob die Kampagne die Zielwerte erreicht hat, die du am Anfang festgelegt hast.

Phillip Bronzel

Phillip Bronzel

Entwicklung

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