Creator finden und analysieren: der vollständige Auswahlprozess

Der komplette Prozess von der Creator-Recherche bis zur finalen Auswahl: Kriterien, Datenprüfung und Workflows für erfolgreiche Kampagnen.

Influencer zu finden ist der einfache Teil. Jede Hashtag-Suche und jede Explore-Page liefert Dutzende Creator, die auf den ersten Blick zur Marke passen. Teuer wird der Schritt danach: vor der Buchung zu erkennen, wer davon einer Prüfung standhält.

Schritt 1: Ziel und Budget festlegen

Reichweite, Abverkauf und Content für die eigenen Kanäle sind drei verschiedene Kampagnen und brauchen drei verschiedene Creator-Profile. Für Awareness zählt, wie viele Menschen ein Kanal tatsächlich erreicht. Für Abverkauf zählt, ob das Publikum einer Empfehlung bis zum Warenkorb folgt. Welche Kennzahl welches Ziel misst, schlüsselt unser Guide zu den KPIs im Influencer Marketing auf.

Lege die Kennzahl fest, bevor du den ersten Kanal öffnest. Wer sie erst nach der Kampagne auswählt, findet immer eine Zahl, die nach Erfolg aussieht, und lernt aus keiner Buchung etwas für die nächste.

Zum Ziel gehört ein Budgetrahmen pro Creator. Dieselbe Summe kauft einen großen Kanal oder mehrere kleine, und beides kann richtig sein. Was Reichweite realistisch kosten darf, überschlägst du vorab über den TKP, damit du im Mediakit-Gespräch eine Vergleichsbasis hast.

Schritt 2: Influencer finden

Für die Suche gibt es drei Wege, die sich ergänzen.

Der manuelle Weg führt über die Plattformen selbst: Hashtags, Explore-Feeds, Vorschläge des Algorithmus. Er funktioniert, kostet aber am meisten Zeit und zeigt vor allem, was der Algorithmus ohnehin nach oben spült. Drei Stunden später stehen fünf Namen im Notizzettel, und beim Gegencheck bleiben zwei davon übrig.

Schneller ans Ziel führt der Blick auf deine Wettbewerber. Creator, die für vergleichbare Marken werben, kennen deine Produktkategorie, und ihr Publikum kennt solche Inhalte. Mindestens so wertvoll ist der Umkehrschluss: Wer thematisch passt und noch für keinen Wettbewerber wirbt, ist die Empfehlung, die deine KundIn nicht schon dreimal gehört hat.

Der dritte Weg beginnt bei dem, was schon funktioniert. Zu jedem Creator, mit dem du gute Ergebnisse erzielt hast, gibt es Kanäle mit ähnlichem Content und ähnlichem Publikum. Solche Lookalikes sind der kürzeste Weg zu neuen Gesichtern mit vertrautem Profil.

In der Nindo Discovery kombinierst du Filter, Wettbewerber-Recherche und Lookalikes. Du grenzt Kanäle nach Kennzahlen, Kategorie, Sprache, Zielgruppenanteilen und Posting-Standorten ein.

Die erkannten Kooperationen machen sichtbar, wer schon für deine Konkurrenz wirbt und wer noch nicht. Die Content-Suche findet Kanäle über das, was in ihren Beiträgen vorkommt, beschrieben in deinen eigenen Worten. Und aus jedem Filter wird eine Watchlist, die sich täglich aktualisiert: Die Liste „Fitness-Creator unter 100k mit gutem Engagement" baust du einmal statt jede Woche neu.

Schritt 3: Die Watchlist analysieren

Bis hierhin hast du gesammelt, ab jetzt wird aussortiert. Sechs Prüfpunkte entscheiden, wer von der Watchlist in die Verhandlung geht.

PrüfpunktLeitfrageWarnsignal
Engagement RatePasst die Interaktion zur Kanalgröße?Viel Reichweite, auffällig wenig Reaktion pro Beitrag
Follower-QualitätIst die Reichweite echt gewachsen?Sprünge in der Follower-Kurve ohne erkennbaren Anlass
ZielgruppeSitzt das Publikum dort, wo deine KäuferInnen sitzen?Sprache, Alter oder Region passen nicht zum Markt
Brand SafetyIn welchem Umfeld erscheint deine Marke?Glücksspiel-, Politik- oder Gewalt-Inhalte im Feed
KooperationshistorieWie geht der Kanal mit Werbung um?Frische Wettbewerber-Deals oder Werbung im Wochentakt
PreisDeckt sich die Gage mit der Performance?Mediakit-Zahlen weit über den sichtbaren Werten

Die Engagement Rate liest du im Vergleich zu Kanälen ähnlicher Größe. Kleinere Accounts liegen tendenziell höher, weil ihr Publikum näher dran ist. Ein Wert, der für einen großen Kanal ordentlich wäre, kann für einen kleinen zu wenig sein.

Gekaufte Follower verraten sich selten im Profil, aber fast immer in der Kurve. Nindo erkennt solche Sprünge automatisch und ordnet ihnen den Anlass zu, ein virales Video etwa oder ein Gewinnspiel. Bleibt der Anlass aus, solltest du genauer hinsehen: Die Details stehen im Guide zu gekauften Followern und Likes.

Bei der Zielgruppe ist „vermutlich schon" keine Antwort, wenn im Meeting die Frage nach Frauen zwischen 25 und 34 kommt. Nindo beantwortet sie zweistufig: mit einer Prognose aus den Inhalten, nach der du filtern kannst, und auf Anfrage mit einer belastbareren Stichprobe öffentlicher Follower-Profile für einzelne KandidatInnen.

Die Kooperationshistorie zeigt, wie ein Kanal mit Werbung umgeht: ob Kooperationen einmalige Deals oder gewachsene Partnerschaften sind und ob zwischen den Werbeposts genug eigener Content liegt. Taucht eine Marke immer wieder auf, kann sie sogar dem Creator selbst gehören. Prüfe deshalb auch, ob du es mit einer Creator Brand zu tun hast.

Beim Preis hilft eine zweite Meinung zum Mediakit. Est. Reach und Est. Media Value schätzt Nindo aus der tatsächlichen Performance des Kanals, damit du mit Zahlen verhandelst, die nicht vom Creator kommen.

Schritt 4: Entscheiden und übergeben

Die Entscheidung fällt gegen die Kennzahl aus Schritt 1. Steht Abverkauf im Ziel, schlägt der kleine Kanal mit dem kaufbereiten Publikum den großen mit der beeindruckenden Reichweite.

Halte auch fest, wen du aussortiert hast und warum. Die Nachfrage „Warum ist X nicht auf der Liste?" kommt verlässlich, von der KundIn oder aus dem eigenen Haus, und eine dokumentierte Begründung beantwortet sie in einer Minute statt mit einer neuen Recherche-Runde.

Mit der finalen Liste beginnt der Teil, der über die Antwortquote entscheidet: die Kooperationsanfrage. Und damit aus einer Zusage Content wird, der zur Marke passt, folgt danach das Briefing.

Häufige Fragen zur Creator-Auswahl

Was sind Influencer, und was unterscheidet sie von Creatorn?

Influencer sind Menschen, die auf sozialen Plattformen ein Publikum aufgebaut haben, das ihren Einschätzungen und Empfehlungen vertraut. Dieses Vertrauen macht sie für Marken interessant, weil eine Empfehlung anders wirkt als eine Anzeige. „Creator" hat sich als Bezeichnung durchgesetzt, weil sie die inhaltliche Arbeit in den Mittelpunkt stellt. Gemeint ist dieselbe Gruppe.

Micro oder Macro: Welche Kanalgröße passt zu meiner Kampagne?

Die Follower-Zahl ist eine Zielfrage, keine Qualitätsfrage. Kleinere Kanäle erreichen weniger Menschen, binden sie aber tendenziell enger. Große Kanäle bündeln viel Reichweite in einer einzigen Buchung. Wer Abverkauf will, fährt oft mit mehreren kleinen Kanälen besser, wer Sichtbarkeit will, mit einem großen. Die Antwort steckt im Ziel aus Schritt 1.

Brauche ich ein Tool für die Creator-Auswahl?

Die Suche selbst geht zur Not von Hand, mit Zeit und Geduld. Woran Handarbeit scheitert, ist die Analyse: Die Zusammensetzung des Publikums und die Follower-Historie eines Kanals siehst du von außen nicht, egal wie lange du scrollst. In Nindo siehst du diese Daten direkt. Je regelmäßiger du Creator buchst, desto mehr Handarbeit sparst du damit.

Tom Kühl

Tom Kühl

CTO

Weiterlesen