Influencer Marketing auf YouTube: Formate, Auswahl und Messung

Wie Creator-Kampagnen auf YouTube funktionieren: Formate von Longform bis Shorts, Auswahlkriterien und die Messung der Ergebnisse.

Ein Feed-Post auf Instagram oder TikTok hat sein Publikum nach wenigen Tagen erreicht. Ein YouTube-Video sammelt oft noch Jahre später Views, weil es über die Suche gefunden und neben verwandten Videos empfohlen wird. Diese Haltbarkeit ist der wichtigste Unterschied, wenn du Influencer-Marketing auf YouTube planst.

Dazu kommt die Reichweite im deutschsprachigen Raum. Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2025 nutzen 46 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren YouTube mindestens einmal pro Woche, 72 Prozent zumindest gelegentlich. Damit ist YouTube die reichweitenstärkste Videoplattform in Deutschland.

Für deine Planung heißt das: Der Link in der Videobeschreibung bleibt klickbar, solange das Video Views sammelt. Eine gute Platzierung arbeitet noch für dich, wenn die Kampagne längst abgeschlossen ist.

Die drei Kooperationsformate

Fast jede Markenkooperation auf YouTube nutzt eines von drei Formaten.

IntegrationDedicated VideoShort
Was der Creator produziertWerbeabschnitt in einem regulären VideoGanzes Video rund um dein ProduktVertikales Kurzvideo, bis zu 3 Minuten
Woher die Reichweite kommtStammpublikum, Suche, EmpfehlungenStammpublikum, Suche, EmpfehlungenShorts-Feed, weitgehend unabhängig von der Abonnentenzahl
LebensdauerMonate bis JahreMonate bis JahreMeist wenige Tage
Typischer EinsatzBekanntheit und Abverkauf im StammpublikumProdukte, die Erklärung brauchenSchnelle Sichtbarkeit über den Kanal hinaus

Die Integration ist das Standardformat. Der Creator baut einen Abschnitt über dein Produkt in ein Video ein, das sein übliches Thema behandelt. Du kaufst damit die Aufmerksamkeit seines eingespielten Publikums und zahlst weniger als für ein Dedicated Video.

Ein Dedicated Video lohnt sich, wenn dein Produkt Zeit braucht: ein Test, ein Vergleich, ein Projekt, das damit umgesetzt wird. Der Creator muss das Thema allein tragen können, sonst schauen nur wenige zu.

Shorts laufen in einem eigenen Feed und dürfen seit Oktober 2024 bis zu 3 Minuten lang sein. Jedes vertikale oder quadratische Video unter dieser Länge ordnet YouTube automatisch als Short ein.

Für alle drei Formate gilt die Kennzeichnungspflicht. YouTube bringt dafür eine Funktion mit: Der Creator deklariert das Video beim Upload, und die ZuschauerInnen sehen zu Beginn den Hinweis „Enthält bezahlte Werbung“.

Verlass dich trotzdem nicht allein darauf. Üblich und sicherer ist eine zusätzliche, deutliche Kennzeichnung als Werbung im Titel oder im Video selbst.

Shorts oder Longform?

Wie weit die beiden Welten auseinanderliegen, zeigen unsere YouTube-Charts. Im Juli 2026 führt bei den deutschsprachigen Longform-Kanälen ein Kanal mit knapp 2 Millionen durchschnittlichen Views pro Video. Die Shorts-Charts beginnen bei fast 5 Millionen durchschnittlichen Views pro Short.

Die Namen an der Spitze überschneiden sich dabei kaum: Wer bei Shorts vorn liegt, taucht in den Longform-Charts meist gar nicht auf.

Der Grund liegt in der Verteilung. Der Shorts-Feed spielt Videos weitgehend unabhängig davon aus, wie viele Menschen einem Kanal folgen. Ein kleiner Kanal kann dort Millionen Views erreichen, ein großer Kanal kann mit Shorts unter seinen Longform-Werten bleiben.

Beim Bewerten von Shorts-Zahlen brauchst du außerdem ein Datum im Kopf: Seit dem 31. März 2025 zählt YouTube jede angefangene Wiedergabe als View, auch wenn jemand sofort weiterwischt. Die alte, strengere Zählung heißt seitdem Engaged Views und bleibt die Basis für die Monetarisierung. Shorts-Views in einem Mediakit sagen seit dieser Umstellung deutlich weniger über echtes Interesse aus als vorher.

Der zweite Haken betrifft die Conversion. Im Shorts-Feed öffnet sich die Videobeschreibung erst nach einem Antippen des Titels. Der Beschreibungslink, bei Longform das wichtigste Werkzeug für messbare Klicks, spielt bei Shorts deshalb kaum eine Rolle.

Daraus ergibt sich die Arbeitsteilung: Shorts machen deine Marke sichtbar, auch weit über das Publikum des Kanals hinaus. Vertrauen und Kaufentscheidungen entstehen in Longform, wo ein Creator dein Produkt ausführlich zeigen kann.

Woran du einen guten YouTube-Kanal erkennst

Die Abonnentenzahl ist auf YouTube die am wenigsten aussagekräftige Zahl. Abos bleiben stehen, auch wenn niemand mehr einschaltet. Schau stattdessen auf die durchschnittlichen Views der letzten Videos und ihr Verhältnis zur Abonnentenzahl.

Trenn dabei konsequent nach Format. Angenommen, ein Kanal hat 500.000 AbonnentInnen, seine Shorts holen im Schnitt eine Million Views, seine Videos 30.000.

Für eine Integration ist das ein 30.000-Views-Kanal, denn gebucht wird das Video, nicht der Short. Ein gemischter Durchschnitt über alle Inhalte würde dir ein Vielfaches davon vorgaukeln.

Der Posting-Rhythmus pro Format gehört ebenfalls in die Prüfung. Ein Kanal, der wöchentlich Videos hochlädt, bietet dir planbare Slots. Einer, der zuletzt vor allem Shorts gepostet hat, erreicht sein Longform-Publikum womöglich nicht mehr zuverlässig.

Sieh dir außerdem an, welche Marken der Kanal schon beworben hat. Die Werbedichte der letzten Monate zeigt, ob das Publikum an Kooperationen gewöhnt ist oder gerade übersättigt wird. Und ob aus früheren Deals längere Partnerschaften wurden, verrät mehr über die Zufriedenheit der Marken als jedes Mediakit.

Nach der ersten Recherche führt der vollständige Auswahlprozess von der Longlist bis zur Entscheidung.

Von Hand heißt diese Analyse: Videos zählen, Views mitteln, Kanäle einzeln durchklicken.

In Nindo vergleichst du Videos und Shorts getrennt. Du siehst Views, Posting-Frequenz und bisherige Markenpartner eines Kanals.

In der Nindo Discovery filterst du anschließend nach Kennzahlen, Kategorie, Sprache und Zielgruppenanteilen, statt Kanäle einzeln zu prüfen.

Kosten und Erfolgsmessung

Bezahlt wird auf YouTube nach erwarteten Views. Die Verhandlungsbasis ist der TKP, also der Preis pro tausend Views. Vergleiche ihn mit Richtwerten für das jeweilige Format.

Rechne die Haltbarkeit mit ein. Ein Longform-Video sammelt nach dem Kampagnenzeitraum weiter Views, über Suche und Empfehlungen teils über Jahre. Der TKP einer YouTube-Platzierung sinkt deshalb nach Kampagnenende weiter.

Für die Messung gilt: Views, Likes und Kommentare sind öffentlich sichtbar. Watchtime und Klickraten kann dir nur der Creator aus seinen Kanalstatistiken schicken.

Klicks und Verkäufe misst du selbst, über einen UTM-Link in der Videobeschreibung und einen Rabattcode, den der Creator im Video nennt. Gerade weil YouTube-Videos lange nachlaufen, lohnt sich ein Influencer-Rabattcode ohne Ablaufdatum.

Und bewerte das Ergebnis am Kanal selbst: Maßstab für eine Integration sind die organischen Durchschnitts-Views des Kanals, nicht die Werte deiner Kampagnen auf anderen Plattformen. Ein Video, das über seinem Kanalschnitt liegt, war eine starke Platzierung.

Tom Kühl

Tom Kühl

CTO

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